Quelle: Südkurier vom 10. September 2002

Ein Fest für die ganze Familie

In vier Tagen findet das große Familiendrachenfest auf dem Flugplatz in Hütten statt. Bis dahin haben die Drachenfreaks noch etwas Zeit, ihre luftigen Gesellen fein herauszuputzen oder ein paar neue Kreationen fertig zu basteln. Wenn das Wetter am 14. und 15. September mitmacht, wird daraus ein farbenfrohes Spektakel.



Zu den Attraktionen an den beiden Tagen zählen Demonstrationen mit diversen Drachenarten an beiden Tagen, ein Nachtfliegen am Samstag, Ballonglühen mit Hinrich Medau aus Bad Säckingen sowie ein Bastelwettbewerb mit attraktiven Preisen. "Wer hat den schönsten selbst gebauten Drachen zum Thema Insekten?", wollen die Veranstalter wissen. Die Besucher sind aufgefordert, ihre Eigenkreationen mitzunehmen und den Himmel damit zu bevölkern.

Besonderes spektakulär verspricht der Drachenkampf mit Rokkakus zu werden. Rokkakus sind sechseckige Drachen. Doch was steckt hinter diesem hier zu Lande noch wenig verbreiteten Spiel? Volker Przybilla, Drachenexperte aus Wehr, der die Veranstalter der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald (LGH) bei der Organisation und Durchführung des Drachenfests unterstützt, erzählt, wie es geht: Alle Kampfwilligen stellen sich in einer Linie auf einem abgesteckten Feld, das nicht verlassen werden darf. Die Linie wird je nach Windstärke 20 bis 40 Meter ausgelegt. Die Drachen werden von Starthelfern gehalten. Der Schiedsrichter gibt das Startzeichen Washoi (bereit zum Kampf). Nun gehen die Drachen gemeinsam in die Luft. Ziel des Drachenkampfes ist es, die anderen Drachen entweder abzuschneiden, wenn mit scharfer Schnur gekämpft wird. In diesem Fall ist die Schnur mit feinsten Glaspartikeln präpariert. Zweite Möglichkeit: Die Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hat ein Drachen den Boden berührt, ist er ausgeschieden. Wird eine Schnur abgeschnitten, kann sie innerhalb des markierten Feldes wieder eingefangen und es kann weiter gespielt werden. Wer sich passiv verhält und sich absichtlich aus dem Kampf heraushält, wird disqualifiziert.

Przybilla weiter: "Wichtig ist, dass die Drachen kämpfen und nicht deren Piloten." Man erlebt mitunter haarsträubende Angriffe auf dem Boden. Es finden immer mehrere Durchgänge statt, bevor die jeweiligen Sieger zum Finale antreten. Zwischen den einzelnen Kämpfen wird dann jeweils der "Mega"-Knoten entwirrt - auch ein spezielles Schauspiel, weil jeder seine Schnur heil behalten möchte. Aber manchmal hilft trotzdem nur das Messer. Das Besondere an dem Rokkaku ist, dass er - bei richtiger Einstellung - ohne Zug auf der Leine trudelt, mit Zug allerdings eine Richtung einschlägt. Zeigt die Nase in die Richtung, in die er fliegen soll, so zieht man an der Leine. Dadurch bekommt das Segelprofil eine V-Form. Solange der Zug bestehen bleibt, behält der Drachen die eingeschlagene Richtung bei. Lässt man die Schnur, so wird er wieder flach und die Nase dreht sich weiter. "So schwer ist das gar nicht", weiß Volker Przybilla.