Quelle: Südkurier vom 16. September 2002

Ein Himmel voller Drachen

Der Himmel in Hütten gehörte am Wochenende ganz den Drachen. Die luftigen Gesellen tummelten sich zu Hunderten über dem Flugplatz der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald LGH, die erstmals in ihrer Vereinsgeschichte ein Familiendrachenfest veranstaltet hat. Mehrere Tausend Besucher waren an beiden Tagen der Einladung der LGH gefolgt, sich einen Eindruck von der Vielfalt und Kreativität in der Drachenwelt zu verschaffen - und wurden nicht enttäuscht. Sie erlebten zwei Tage, an denen alles passte. Das Wetter spielte mit, die Stimmung war durchgehend gut, Zwischenfälle blieben aus. Und wenn der Wind mal wegblieb, bedeutete es noch lange nicht das Ende der Drachen. Fazit der Veranstalter: Das Familiendrachenfest war ein Erfolg und wird wahrscheinlich nicht das Letzte gewesen sein.

Wo sonst Segelflieger majestätisch ihre Runden drehen, herrschte ein kunterbuntes Tohuwabohu. Alle erdenkbaren Farben und Formen zuckten durch die Luft, stiegen hoch und höher, glitten gemütlich über die Köpfe hinweg oder jagten sich wie verspielte Katzenkinder. Kinder mit putzigen Papierdrachen rannten über den Platz und stolperten über lang gestreckte Beine. Auch Erwachsene vergaßen sich und den Alltag, wenn es darum ging, ihre federleichten Geschöpfe optimal in den Wind zu kriegen. Was es alles zu entdecken gab: Adler mit Krallen, Fledermäuse, Clowns, Papageien, Fische, Flugzeuge, natürlich alles aus Papier oder Kunststoff und absolut flugtauglich. Es gab Drachen in Daumengröße und solche, die von mehreren Männern getragen werden mussten. Zu sehen waren viereckige, sechseckige, runde und zellenförmige Drachen - die Phantasie der Drachenbauer kennt offenbar keine Grenzen. Da überall Schnüre im Spiel waren, kam es gelegentlich zu Verknüpfungen, die wiederum die Drachenflieger ins Geplauder verwickelten.

Attraktionen gab es zuhauf. Wer selber keinen Drachen dabei hatte, brauchte sich deswegen nicht zu grämen - zu sehen gab es derart viel, dass man die Qual der Wahl hatte. Soll man jetzt dem Drachenkampf zuschauen? Oder den Trickfliegern? Oder einfach mal einen Rundgang über das Gelände machen, weil garantiert irgendwo wieder ein Drachen in der Luft ist, den man vorher nicht gesehen hat? Wie den 20 Meter langen Schlangendrachen. Oder den 211-teiligen Kettendrachen. Oder den schottischen "Narin Star". Oder die "Gutzeli-Fähre", an der besonders die Kinder einen Narren gefressen hatten.

Wer den Samstagabend auf dem Flugplatz verbrachte, erlebte obendrauf etwas ganz Spezielles: Das Ballonglühen mit Hinrich Medau und das Nachtfliegen der Leucht-Drachen - eine romantische Angelegenheit, die mit viel Beifall bedacht wurde. Das Fazit von Georg Liehr, Geschäftsführer der LGH und Motor des Drachenfests: "Tolle Stimmung, die Leute waren begeistert, es hat alles gepasst."

Die Luftsportgemeinschaft Hotzenwald hat ein Fest auf die Beine gestellt, das jedem anfänglichen Skeptiker den Wind aus den Segeln nahm. Am Erfolg waren aber nicht nur die Gastgeber, die die gesamte Infrastruktur vom Verkehrsdienst bis hin zur Verpflegung der Gäste bestens im Griff hatten, sondern auch die teilweise von weit her angereisten Drachenclubs beteiligt. Sie brachten mit ihren Shows Extraklasse ins Spiel. In ein Spiel, das viele Herzen höher schlagen ließ.